Backnang – Allmersbach

Posted by herbert - Juli 4th, 2011

Wandern und Stadtbesichtigung

Da wir nicht sicher sind, welcher Wettervorhersage wir Vertrauen schenken sollen, wird es doch ziemlich spät, bis wir zuhause wegfahren und so starten wir erst gegen 14 Uhr am Bahnhof in Backnang. Mit einem Schlenker durch die Altstadt kommen wir hinab zur Murr und überqueren diese und gehen an dieser entlang.

Doch die Wanderung am Fluss ist zunächst keineswegs so romantisch, wie man das gemeinhin denkt, zuerst ist links eine große Baustelle, dann ödes Fabrikgelände, ehe dann Gärten und Wiesen folgen. Entlang des Mineralbades kommen wir schließlich zu einer der Brücken, überqueren die Murr und auf einem Wiesenweg kommen wir nach Steinbach. Da es hier einige interessante Fachwerkhäuser geben soll, gehen wir hinunter zum Rathaus und steigen dann fast wieder an den Punkt hoch, an dem wir den Ort betreten haben. Ob sich der Schlenker gelohnt hat, da meine Bilder leider nichts geworden sind, stelle ich zumindest in Zweifel, obwohl Ingrid sicher anderer Meinung ist.

Auf der Hochfläche geht es weiter, bei einem Modellflugzeugstartplatz finden wir viel Klatschmohn, dann senkt sich der Weg zu einem Bächlein hinab und auf dem Grasweg macht es auch Della wieder Spaß zu laufen. Nach einem erneuten An- und Abstieg erreichen wir Unterweissach, vorher machen wir an einem sonnigen Bänkchen Pause, doch als sich die Sonne hinter Wolken versteckt, merkt man den kalten Wind besonders Im einem Tal mit wenigen Häusern erreichen wir die Ortsmitte mit dem aus zwei Häusern bestehenden Rathaus.

Über einen weiteren Anstieg und Abstieg kommen wir nach Allmersbach und müssten fast eine Stunde auf den Bus warten. Das ist uns bei der Kälte, die Sonne hat sich scheinbar endgültig verzogen, zu lange und wir lassen ein Taxi kommen, erfreulich es ist eins mit Spartarif und so halten sich die Kosten in Grenzen.

Wir lassen Della im Auto zurück und machen uns an die Stadtbesichtigung.

Man vermutet, dass bereits im 8. Jahrhundert eine Pfarrei entstanden sein könnte, um 1024 war Backnang unmittelbares Eigentum des deutschen Kaisers, die Stadt wurde 1235 zerstört und bis 1248 wieder aufgebaut. Gut 50 Jahre später kam die Stadt zu Württemberg und 1555 wurde sie endgültig evangelisch. Ende des 16. und zu Beginn des 17.Jahrhunderts erlebte Backnang eine Blütezeit, in dieser Zeit entstanden das Rathaus, das Schloss neben der Stiftskirche, von dem aber nur ein Flügel gebaut wurde und heute das Amtsgericht beherbergt.

Der Gänsebrunnen beim Rathaus erinnert an den Backnanger Gänsekrieg. Die von den ärmeren Schichten gehaltenen Gänse richteten auf den Felder große Schäden an und so wurde die Gänsehaltung verboten. Doch die Backnanger Frauen baten den württembergischen Herzog um Unterstützung und aller Schikanen zum Trotz wurde 1612 die Gänsehaltung wieder erlaubt.

Die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs wurden durch die Pest gekrönt, der fast 2/3 der Bevölkerung zum Opfer fiel. 1693 steckten französische Truppen die Stadt in Brand und vernichteten sie vollständig und der Wiederaufbau ging nur sehr schleppend voran. Mit der Gründung der oberen Spinnerei 1832 hielt die Industrialisierung Einzug in die Stadt und schufen die Grundlage für die „Süddeutsche Gerberstadt“, dieser Name behielt seine Berechtigung bis in die 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts. Heute hat die Stadt ca. 35000 Einwohner.

Besondere Sehenswürdigkeiten sind u.a. die Stiftskirche St. Pancratius, das historische Rathaus und der Stadtturm. Die St. Pancratiouskirche wurde von Markgraf Hermann von Baden und seiner Frau gestiftet und diente bis 1240 als Grablege der Markgrafen. Seit der Reformation ist sie die Hauptkirche der evangelischen Gemeinde.

Das erste Rathaus fiel bis auf den Renaissanceunterbau dem Stadtbrand von 1693 zum Opfer und wurde auf den alten Grundmauern 1716 als Fachwerkbau neu errichtet.

Der 45 m hohe Stadtturm ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde auf dem frühgotischen Chor der Michaelskirche aus dem 13. Jahrhundert aufgesetzt, nach dem Einsturz des hölzernen Turms wurde der Turm 1614 nach Plänes des Landesbaumeisters Heinrich Schickardt gebaut. Diese Pläne waren auch Grundlage des Wiederaufbaus nach dem großen Stadtbrand.

Da die Wolken immer weniger werden und die Sonneneinstrahlung stärker, haben wir trotz der frühen Abendstunden Bedenken, ob es im Auto für Della nicht zu warm wird, daher gehen wir nicht zum Abendessen, sondern zum Auto zurück. Hier ist angenehm warm, aber noch nicht zu heiß für Della.

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